Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

Zu Hause am Flügel Zu Hause am Flügel

... diese Lebensphilosophie von Friedr. Nietzsche hat mich von Kindesalter an begleitet. Die Musik hat mich immer in ihren Bann gezogen. Dabei bin ich heute bemüht, jeder musikalischen Stilrichtung etwas abzugewinnen. Jede Musikrichtung hat ihre Zuhörer, ihre Liebhaber oder "Fans", die eine mehr, die andere weniger - aber jede hat ihre Existenzberechtigung. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, wandeln sich meist mit zunehmendem Alter ins Moderate, Piano - aber verloren geht das Interesse an der Musik nicht.
Ich habe das Glück, immer noch aktiv mit wunderbaren Musikern auf der Bühne stehen zu dürfen. Seit dem Jahr 2000 als Pianist in der 20-köpfigen Swingstreet Bigband und mit viel Erfolg seit 2008 im musikalischen Kabarett-Trio De Drei. Aber Näheres möchte ich nachfolgend - in meinem musikalischen Lebenslauf - aufschreiben.


So gings los - oder - wie meine Mutter meine Musikalität entdeckte ...

Meine Eltern, rechtschaffene und fleißige Leute - Vater Lokomotivführer, leidenschaftlicher Schrebergärtner -  Mutter Hausfrau, fürsorglicher, liebender, umsorgender Mittelpunkt im Schrattschen 7-Personen-Haushalt (meine Eltern, vier Geschwister und ich) waren finanziell nicht gerade mit dem Füllhorn überschüttet worden. Es war noch  Nachkriegszeit - 1954. Freunde und befreundete Familien besuchten sich gegenseitig auf ein Tässchen Kaffee, vielleicht (bestimmt) auch auf einen Tratsch - halt das, was man in späteren, sogenannten Wirtschaftswunderjahren, im Kaffeehaus machte.
Ich war acht Jahre alt und durfte (mußte) meine Mutter zu einer eben dieser Kaffeekränzchen begleiten. Zielort war die Gattin des damaligen Polizeichefs der Stadtpolizei (Mühldorf hatte noch eine solche), die in den Kriegsjahren die Wohnungsnachbarn meiner Eltern am Mühldorfer Stadtplatz waren aber in den Fünfzigern in  der Lohmühlsiedlung ein kleines Häuschen gebaut hatten. Man kann sich vorstellen, dass ich an der Unterhaltung der Frauen wenig, bis keinen Gefallen fand. Doch weckte ein Hinweis der Frau M. mein Interesse, nämlich der ... im anderen Zimmer steht ein Klavier. Schau mal, ob du was spielen kannst!
Meine autodidaktischen Anfangskünste müssen Frau M. wohl so fasziniert haben, dass sie meiner Mutter den unbedingten Ratschlag gab, mich Klavier lernen zu lassen. Das war natürlich leichter gesagt wie getan. Bedenkt man, dass der Unterrichtsmonat - eine dreiviertel Stunde in der Woche - zu dieser Zeit an die 17,50 Mark gekostet hat, war das für meine Mutter sehr viel Geld.
Meine Mutter hat aber dieser Gedanke nicht mehr los gelassen. So wurde ich im zarten Alter von 8 Jahren in meine "feine Kleidung" gesteckt und ging mit Mutti (so nannte ich meine Mutter) zum Stadtplatz 72 in Mühldorf. Dort wohnte, besser gesagt residierte, die Sängerin und Klavierlehrerin Ottilie Heindl mit ihrer Schwester Mizzi. Die Mutti stellte mich der "Halbgöttin" vor, die mir sofort zu erkennen gab, dass sie größten Wert auf gewaschene Hände lege (wegen der Elfenbeintastatur, nämlich den weißen Klaviertasten) - und bat mich ans Klavier. Es roch überall etwas nach Mottenpulver. Ich mußte ihr meine Fingerhaltung an den Tasten zeigen, sie war zufrieden und sagte zur Mutti, dass ich fortan an einem bestimmten Tag in der Woche (ich glaube der Dienstag war es) um ca. 15 Uhr zu ihr kommen solle um die Fertigkeit des Klavierspielens von ihr zu erlernen. Das tat ich dann auch.
Am Anfang beschränkte sich mein Unterricht auf das Erlernen der Noten und dem richtigen Vorzählen der Notenwerte - 1 und 2 und 3 und 4 und - 1e und 2 3 4 und - und so weiter und so fort. Wir machten das mit langweiligen Trockenübungen, weil ..., ich hatte ja noch kein Klavier zu Hause.


So ungefähr sah mein Tafelklavier aus So ungefähr sah mein Tafelklavier aus

Das änderte sich schlagartig, als geraume Zeit später eine andere Freundin meiner Mutter erklärte, wir können das Tafelklavier ihres Sohnes Werner M. haben. Zur Ergänzung sei gesagt, dass die Familie M. damals im Gebäude des jetzigen Mühldorfer Kulturtempels Haberkasten ihre Wohnung hatte, sich also mein künftiges Tafelklavier vorahnungsvoll bereits in hochkulturbestimmten Räumlichkeiten der Kreisstadt Mühldorf a. Inn, einst als Salzburger Lagerstätte, direkt an der Stadtmauer am Stadtwall erbaut, aufhielt. Die einzige Schwierigkeit, die der Wechsel der Besitzer und der Örtlichkeit noch mit sich brachte, war der Transport des edlen Musikinstruments. Beauftragt wurde damit die damalige Möbeltransportfirma Aumüller. Die stattlichen, muskulösen Möbelpacker machten allerdings auch nicht gerade begeisterte Gesichter als sie erfuhren, dass das Tafelklavier, welches ein ordentliches Gewicht auf die Waage brachte,  in den 3. Stock des Stadtplatzhauses 47 (damals Bäckerei Boch) über eine hölzerne, wunderschöne, freitragende, geschwungene Wendeltreppe zur Familie Schratt transportiert werden müsse. Doch irgendwie, mit  enormem Zeit- und Kraftaufwand, wurde das gute Stück schließlich nach oben gebracht, um fortan von mir mit Tonleitern, Fingerübungen aus dem "der fleißige Czerny" und so weiter "verwöhnt" zu werden.
Das gute Stück konnte aber "talentierten" Pianisten nach geraumer Zeit klangqualitativ nicht mehr Genüge tun. Irgendwie klang immer Alles nach Draht - ich meine so gar nicht nach Klavier.
Auch meine Mutter hat das im Laufe meiner Übungszeit gehört. Auch mein ältester Bruder Harry, der meinen Fortschritten ab und zu mal Gehör schenkte (die anderen Geschwister gingen meinen Vorträgen irgendwie aus dem Wege), meinte, dass ein richtiges Klavier schon schöner klingen würde.
Der liebe Gott - so glaube ich - hatte zur damaligen Zeit für derartige Belange ein offenes Ohr und vermochte auch Klavierbesitzer zum Abgeben der nicht mehr benötigten Instrumente zu bewegen. Eine Frau Berger, sie ist mittlerweile bestimmt schon gestorben, konnte aus mir nicht bekannten Gründen nicht mehr Klavierspielen und wollte ihr Piano deshalb an einen talentierten Menschen abgeben, der dieses Instrument auch weiterhin pfleglich behandeln würde. Meine Mutti war irgendwie an diese Information geraten - und - ging mit mir, ich wieder in meiner "feinen Kleidung" zu besagter Frau Berger. Frau B. wohnte auch am Mühldorfer Stadtplatz, gegenüber dem Haus meiner Klavierlehrerin, im Hause Viola. Als sie die Tür öffnete und uns zum Klavier leitete bekam ich, ob des wunderbaren Anblicks, schon leichte Herzklopfen. Hoffentlich klappt das....., hatte ich wohl bei mir gedacht. Die Mutti brachte auch das fertig - mit ein Grund, wofür ich sie noch heute achte, bewundere und wertschätze.

Wie gelernt - ordentlich angezogen und saubere Finger Wie gelernt - ordentlich angezogen und saubere Finger

Ich erhielt das Klavier der Frau Berger - ein Piano der Firma Steingraeber - also vom Feinsten - und hatte den festen Willen, fortan täglich mindestens (vielleicht) zwei (oder eine) Stunde zu üben.
Aber zuerst mußte wieder ein Problem gelöst werden - die Firma Aumüller, Möbeltransportfirma, mußte mein schweres Tafelklavier aus unserer Wohnung schaffen (lediglich ein Stockwerk nach unten), auf dem durfte nämlich jetzt der L.D. Klavier lernen (der ist auch tatsächlich Musiklehrer geworden), doch was schwieriger schien - mein Steingraeber mußte die Reise über drei freischwebende Stadtplatzwohnhaustreppen in das 3. Stockwerk des Bochhauses, in die Räumlichkeiten der Familie Schratt antreten, damit der Bub (ich) ordentlich das Klavierspiel üben konnte. Entweder hatten die Möbeljungs den "Dreh" bereits raus - oder es ging überhaupt leichter - nach geraumer Zeit war das Tafel- beim Dietmar im 2. Stock und das Steingraeber-Klavier bei mir im 3. Stock gelandet. Beide Musikinstrumente wurden noch ordentlich gestimmt um dann virtuos Burgmüller, Czerny, diverse Opern- und Operettenmelodien entlockt zu bekommen. Eine schöne Zeit wars. Ich war circa 9 Jahre alt.